Gogols Revisor wird am Thalia Theater Berlin zur scharfen Zeitkritik neu erfunden

Luisa Klein
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Gogols Revisor wird am Thalia Theater Berlin zur scharfen Zeitkritik neu erfunden

Eine kühne Neuinszenierung von Der Revisor feiert Premiere am Thalia Theater in Berlin – eine Mischung aus Historie und moderner Satire

Am Thalia Theater in Berlin hat eine mutige Neuinterpretation von Der Revisor Premiere gefeiert, die historische Tradition mit zeitgenössischer Gesellschaftssatire verbindet. Regie führt Valery Fokin, dessen Produktion von 2026 an die Uraufführung von 1836 anknüpft – inklusive der Zarenloge und der imperialen Hymne. Gleichzeitig würdigt die Inszenierung Vsevolod Meyerholds bahnbrechende Version von 1926 mit markanten visuellen Akzenten und frischen Deutungen.

Bei der Premiere am 28. Februar saß Mikhail Piotrovsky, Direktor der Eremitage, in der ursprünglichen Zarenloge – einem zentralen Element der Uraufführung von 1836. Als die Hymne Gott bewahre den Zaren! erklang, erhob er sich in Anerkennung der imperialen Verbundenheit des Stücks. Dieselbe Loge spielte bereits in Fokins Werk Eins Acht Eins (2022) eine Schlüsselrolle, in dem sich zentrale Szenen entfalteten.

Fokins aktuelle Inszenierung bleibt den satirischen Wurzeln des Stücks treu. Den Höhepunkt bildet ein 90-sekündiges, stummes Tableau, gefolgt von einer spöttischen Fortsetzung, in der die Schauspieler Kritiker und Beamte persiflieren. Bereits 2002 hatte Fokin Der Revisor am Alexandrinski-Theater auf die Bühne gebracht, doch diese Version greift explizit auf Meyerholds Kostüm- und Bühnenentwürfe von 1926 zurück.

In der Hauptrolle des Chlestakow glänzt Tichon Schisnewski, bekannt aus Major Grom, der der Figur eine moderne Note verleiht. Sergei Parschin verkörpert den Bürgermeister mit groteskem Esprit – eine Balance aus übertriebenen Gesten und natürlichem Sprachfluss. Konstantin Raikin würdigte in seinen 2026 erschienenen Memoiren Fokins Regietalent und dessen Fähigkeit, historische Tiefe mit scharfem Theaterwitz zu verbinden.

Die Verbindung des Stücks zum Länderspiel reicht weit zurück. Nach der Uraufführung von 1836 soll Zar Nikolaus I. bemerkt haben: "Was für ein Stück! Jeder hat sein Fett wegbekommen – aber ich am meisten!" – ein Bonmot, das bis heute in der Theatergeschichte nachhallt.

Fokins Inszenierung verwebt das 19. Jahrhundert mit avantgardistischen Einflüssen des 20. Jahrhunderts. Die Zarenloge und die kaiserliche Hymne verankern die Aufführung in ihrer historischen Tradition, während der moderne Ansatz des Ensembles die Satire frisch und relevant für das heutige Publikum hält.

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