Warum das Vertrauen in die Demokratie schwindet – und die AfD davon profitiert
Lina KochWarum das Vertrauen in die Demokratie schwindet – und die AfD davon profitiert
Der Soziologe Aladin El-Mafaalani hat untersucht, warum das Vertrauen in die Demokratie in bestimmten Bevölkerungsgruppen weiter sinkt. Seine Forschung konzentriert sich darauf, wie sich Misstrauen verbreitet und Bewegungen wie die rechtspopulistische Alternative für Deutschland (AfD) stärkt. Seine Erkenntnisse zeigen: Allein die Bloßstellung der Inkompetenz der AfD wird ihre Anhänger nicht zurück in die demokratische Mitte führen.
El-Mafaalani, der in Dortmund forscht, analysiert, wie Menschen das Vertrauen in zentrale Institutionen verlieren – in Regierungen, Gerichte, Wissenschaft und Medien. Seine Arbeit belegt, dass misstrauische Individuen sich häufig mit Gleichgesinnten verbünden, die ihre Skepsis teilen. Diese "Gemeinschaften des Misstrauens" setzen ihr Vertrauen stattdessen in Parteien, die die liberale Demokratie ablehnen.
Die AfD, 2013 als EU-skeptische und rechtliberale Partei gegründet, vollzog nach der Flüchtlingskrise 2015 einen deutlichen Schwenk in Richtung Populismus. Es folgten interne Zerwürfnisse, bei denen sich der liberal-konservative Flügel abspaltete. Trotz dieser Turbulenzen wuchs die Partei, zog 2017 in den Bundestag ein und verdoppelte ihren Wähleranteil bis 2025. Ende 2024 war sie in Umfragen zur zweitstärksten Kraft in Deutschland aufgestiegen.
In seinem Buch "Gemeinschaften des Misstrauens" argumentiert El-Mafaalani, dass digitale Medien es diesen Gruppen heute ermöglichen, sich effektiver zu organisieren als je zuvor. Populistische Strategen nutzen dieses Misstrauen gezielt aus und untergraben so weiter das öffentliche Vertrauen in Institutionen. Seine Analysen zeigen zudem Parallelen zu internationalen Entwicklungen auf – etwa zum Aufstieg von Figuren wie Donald Trump.
Statt AfD-Anhänger als falsch informiert abzutun, plädiert El-Mafaalani für neue Strategien, um der Anziehungskraft des Rechtspopulismus entgegenzuwirken. Das Wachstum der AfD spiegelt einen größeren Wandel wider: wie Misstrauen die Politik umformt. Seine Forschung unterstreicht die Notwendigkeit von Ansätzen, die die tieferliegenden Ursachen dieser Skepsis angehen. Ohne solche Bemühungen wird die Erosion des Vertrauens in demokratische Institutionen voraussichtlich anhalten.






