Hausärzte am Limit: Warum Dringlichkeitsüberweisungen das System überlasten

Lina Koch
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Eine Person zeigt auf ein GPS-Gerät auf dem Armaturenbrett eines Autos, umgeben von Gebäuden, Bäumen und einem klaren blauen Himmel.Lina Koch

Hausärzte am Limit: Warum Dringlichkeitsüberweisungen das System überlasten

Wachsende Streitigkeiten um dringende Facharztüberweisungen setzen Hausärzte in Deutschland unter Druck. Viele berichten, dass sie gezwungen seien, unnötige Notfallüberweisungen auszustellen, um die Patientenversorgung zu beschleunigen. Gleichzeitig zeigen offizielle Prüfungen, dass das System trotz steigender Kosten die Wartezeiten nicht verkürzen konnte.

Zunehmend wird nun die Forderung laut, die aktuellen Regelungen abzuschaffen – unterstützt von Prüfern und Krankenkassen gleichermaßen.

Das Problem geht auf ein Gesetz aus dem Jahr 2019 zurück, das Terminservice- und Versorgungsgesetz (TSVG), das eigentlich Wartezeiten bei Facharztterminen verringern sollte. Doch die Daten belegen das Gegenteil: Die durchschnittliche Wartezeit stieg von 33 Tagen im Jahr 2019 auf 42 Tage im Jahr 2024. Der Bundesrechnungshof bestätigte das Scheitern des Gesetzes und verwies auf erhebliche Mehrausgaben ohne spürbare Verbesserungen.

Hausärzte tragen die Hauptlast. Von über 800 befragten Ärzten berichten rund 750 von Schwierigkeiten mit ungerechtfertigten Dringlichkeitsüberweisungen. Allein in Nordrhein-Westfalen sahen sich mehr als 200 Hausärzte mit Fachärzten konfrontiert, die medizinisch nicht begründete Schnelltermin-Anträge durchsetzen wollten. Patienten geraten häufig in Konflikt mit ihren Hausärzten, wenn solche Anträge abgelehnt werden – was die Belastung weiter erhöht.

Während der Spitzenverband Fachärzte Deutschlands (SpiFa) darauf besteht, dass Überweisungen medizinisch begründet sein müssen, geben einige Fachärzte zu, das System für finanzielle Vorteile auszunutzen. Hausärzten ist es zwar gesetzlich untersagt, Dringlichkeitsüberweisungen allein zur Umgehung von Wartezeiten auszustellen, doch die Kontrollen bleiben lasch. Überprüfungen finden selten mit Patientenkontakt statt, was Missbrauch erschwert aufdeckt.

Der Bundesrechnungshof und der GKV-Spitzenverband, die Dachorganisation der gesetzlichen Krankenkassen, fordern nun die Abschaffung der Regelungen. Hausärzte teilen die Bedenken hinsichtlich der finanziellen Schieflage und des zusätzlichen Arbeitsaufwands – auch wenn sie anerkennen, dass das System in echten Notfällen schnellere Hilfe ermöglicht.

Das aktuelle Überweisungssystem hat Hausärzte zwischen Patientenerwartungen und regulatorischen Versäumnissen eingeklemmt. Da die Wartezeiten weiter steigen und die Kontrollen begrenzt bleiben, wächst der Druck auf eine Reform. Jede Änderung wird abwägen müssen zwischen schnellerer Versorgung für dringende Fälle und faireren Bedingungen für die Ärzteschaft.

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