Willich baut Kita-Angebot wegen Geburtenrückgangs radikal um
Willich bereitet sich in den kommenden Jahren auf tiefgreifende Veränderungen im Kitasystem vor. Aufgrund eines deutlichen Geburtenrückgangs und sinkender Nachfrage rechnet die Stadt bis 2029 mit einem Überschuss von 440 Betreuungsplätzen. Im Rahmen der Anpassungen werden mehrere Einrichtungen geschlossen oder verlegt, während andere ihr Angebot ausbauen.
In den nördlichen Stadtteilen – darunter Anrath, Neersen und Schiefbahn – ist die Zahl der Geburten seit 2020 bereits um 30 Prozent zurückgegangen. Durch den Rückgang der Kinder in den relevanten Altersgruppen steht die Stadt trotz neuer Wohnbauprojekte, die einige Verluste ausgleichen, vor einer Überkapazität von 354 Plätzen.
Die Kita Alperhof wird in das generationenübergreifende Projekt "Reinershof" umziehen, wo eine neue Einrichtung mit vier Gruppen entstehen soll. Die ursprünglichen Pläne für einen Neubau am bisherigen Standort wurden wegen baulicher Mängel und Budgetgrenzen verworfen. Stattdessen wird das bestehende Gebäude abgerissen.
Bis zum Ende des Kita-Jahres 2026/2027 wird die Einrichtung St. Irmgardis geschlossen. Die Stadt verpachtet das Gebäude anschließend an die Villa Kunterbunt, die dort ihr Angebot ausbauen wird. Ab dem Kita-Jahr 2027/2028 bietet die modernisierte Einrichtung St. Irmgardis unter Trägerschaft der Villa Kunterbunt Ganztagsbetreuung und Mittagsverpflegung an.
Die AWO-Kita "Blaues Haus" in Schiefbahn erhält bis zum 31. Juli 2027 eine verlängerte freiwillige Förderung. Danach plant die Verwaltung Gespräche mit dem Träger über eine mögliche Schließung. Eltern äußern Bedenken wegen längerer Fahrzeiten zu alternativen Betreuungsstätten, doch die Stadt betont, dass die Anbindung mit öffentlichen Verkehrsmitteln und dem Auto weiterhin gut machbar sei.
Die Umstrukturierungen spiegeln einen übergeordneten Trend wider: Die Geburtenrate in den nördlichen Willicher Stadtteilen liegt bei nur noch 1,14 Kindern pro Frau – deutlich unter dem NRW-Durchschnitt von 1,44. Zwischen 2018 und 2025 sank die Zahl der Kinder in den relevanten Altersgruppen um 26 Prozent, sodass viele Betreuungsplätze ungenutzt bleiben.
Die Neuordnung soll die Überkapazitäten abbauen und gleichzeitig an die gesunkene Nachfrage anpassen. Durch den Ausbau der Villa Kunterbunt und den Umzug nach Reinershof soll trotz Schließungen eine hochwertige Betreuung sichergestellt werden. Die Anpassungen folgen dem jahrelangen Geburtenrückgang und stellen sicher, dass die Ressourcen dem aktuellen Bedarf entsprechen.