Wiener Festwochen: Provokante Performance feiert rebellische Körperlichkeit
Luisa KleinWiener Festwochen: Provokante Performance feiert rebellische Körperlichkeit
Eine mutige neue Performance feiert bei den Wiener Festwochen Premiere. Unter dem Titel La Parabole du Seum lässt sich das Stück von Octavia Butlers Roman Parabel des Sämanns inspirieren. Die Produktion erkundet Diskriminierung, Identität und die Lebensrealitäten dicker Menschen – und das durch eine rebellische Science-Fiction-Brille.
Die Vorstellung beginnt damit, dass die Performerin Julie Teuf dem Publikum Butter verteilt. Sie lädt die Zuschauer ein, davon zu kosten und an einer Verlosung teilzunehmen, bei der es einen Zehntel des eigenen Körpergewichts an Lebensmitteln zu gewinnen gibt. Dieser Auftakt setzt den Ton für eine Aufführung, die sich intensiv mit den Themen Körpermaß und gesellschaftlicher Bewertung auseinandersetzt.
Schon der Titel spielt mit französischer Wortakrobatik: Parabole verweist sowohl auf eine Parabel als auch auf eine Satellitenschüssel, während seum – ein Slangausdruck – Wut oder Frustration evoziert. Auf der Bühne entschuldigen sich die Darsteller für ihre Körper, die sie als regelbrechend inszenieren, und gestehen gewichtsbezogene Verhaltensweisen.
Die Performance steigert sich ins Absurde, etwa bei einer grotesken Nachstellung der Castingshow The Biggest Loser. Später, in goldener Unterwäsche gekleidet, stürzen sich die Schauspieler in Fressgelage und posieren wie Bodybuilder. Den Schluss bildet ein trotziges Finale, das scharfe Gesellschaftskritik mit Humor verbindet.
Rébecca Chaillons The Parable of Acid stellt Vorstellungen von Dicke und körperlicher Selbstbestimmung infrage. Mit Satire und spektakulären Bildern konfrontiert das Stück das Publikum mit den Realitäten von Diskriminierung. Die Verlosung, die Butter und die überzeichneten Darbietungen unterstreichen dabei seine zentralen Botschaften.






