"We Crisis Actors": Wenn Kunst das Chaos der Verschwörungsmythen entlarvt

Julian Lang
Julian Lang
2 Min.
Eine Schwarz-Weiß-Zeichnung einer vollen TheaterSzene mit Menschen, die stehen, sitzen und auf dem Boden liegen, und einer Person rechts mit einem Schild, auf dem "Die letzte Szene des Triumphs der Reform oder der Fall der Boro Mongers" steht.Julian Lang

"We Crisis Actors": Wenn Kunst das Chaos der Verschwörungsmythen entlarvt

Eine mutige neue Bühnenperformance setzt Maßstäbe – eine Mischung aus schwarzem Humor und schonungslosen Fragen zu modernen Verschwörungstheorien."We Crisis Actors: Lookalike in Chaos!" des Künstlerkollektivs andcompany&Co. taucht ein in die gefährliche Welt rechtsextremer Mythen, in der reale Tragödien als inszenierte Ereignisse abgetan werden. Die Show, ein Wirbel aus Chaos und Scharfsinn, riss das Publikum mit – am Ende brandete minutenlanger Applaus auf, viele standen begeistert von ihren Plätzen auf.

Begonnen wird mit spielerischer Skepsis: Selbst die Mondlandung wird infrage gestellt, doch bald wendet sich das Stück ernsteren Themen zu. Alexander Karschnia, ein zentrales Mitglied des Kollektivs, erinnert an den Amoklauf an der Marjory Stoneman Douglas High School 2018 – eine Tragödie, die die "Crisis-Actor"-Verschwörungstheorie befeuerte. Diese Behauptung, vor allem von Alex Jones verbreitet, unterstellte Überlebenden, sie seien bezahlte Schauspieler – eine Lüge, die sich auf andere Anschläge ausweitete: das Attentat in der Synagoge von Pittsburgh, die Moschee-Massaker von Christchurch oder das Schuldrama in Uvalde. Später verurteilten Gerichte Jones zu Schadensersatzzahlungen in Höhe von fast 1,5 Milliarden Dollar, während Plattformen wie Facebook und YouTube gegen solche Falschbehauptungen vorgingen.

Im Verlauf der Aufführung verdüstert sich der Ton. Die Darsteller wechseln von Satire zu einer schonungslosen Bestandsaufnahme heutiger Krisen: atomare Bedrohungen, Klimakollaps, systemische Versagensfälle. Das Chaos auf der Bühne spiegelt die Verwirrung realer Katastrophen wider und zwingt das Publikum, sich unangenehmen Wahrheiten zu stellen. Gegen Ende kippt die Stimmung in etwas zutiefst Berührendes – ein gemeinsames Singen von Freddie Mercurys "The Show Must Go On", das viele zu Tränen rührt.

Die Performance deckt nicht nur Verschwörungstheorien auf, sie fragt auch: Wie kann sich die Gesellschaft auf das Undenkbare vorbereiten? Durch Absurdität und rohe Emotionen fordert sie eine Auseinandersetzung mit den Krisen, die wir oft ignorieren – bis sie uns selbst treffen.

Die letzten Szenen hallen lange nach. Der stehende Applaus zeugt von der Wirkung dieses ungewöhnlichen Mixes aus Unterhaltung und dringendem Aufruf. "We Crisis Actors" konfrontiert das Publikum nicht nur mit Mythen – es verlangt, den Chaos des echten Lebens zu stellen, eine geprobte Katastrophe nach der anderen.