Tönnies schützt Landwirte mit neuem Versicherungskonzept vor Tierseuchen-Risiken

Julian Lang
Julian Lang
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Ein Plakat mit Text, der eine Bekanntmachung nach dem Tierseuchengesetz von 1878 ankündigt, bezüglich der Afrikanischen Schweinepest in Wiltshire.Julian Lang

Tönnies schützt Landwirte mit neuem Versicherungskonzept vor Tierseuchen-Risiken

Der Fleischproduzent Tönnies hat ein neues Versicherungskonzept eingeführt, um Landwirte vor finanziellen Verlusten durch Tierseuchenausbrüche abzusichern. Der Schritt erfolgt nach einem jüngsten Vorfall, bei dem infiziertes Vieh zur Vernichtung von 1.000 Tonnen Fleisch in einem der Verarbeitungsbetriebe des Unternehmens führte. Die als 'Haftungsschutzschild' bezeichnete Police tritt sofort für alle Lieferanten in Kraft, die Tiere an die Schlachthöfe des Konzerns ausliefern.

Das Programm schließt Lücken in bestehenden Versicherungspolicen und greift, wenn Landwirte mit Haftungsansprüchen konfrontiert werden, die über ihre aktuellen Deckungen hinausgehen. Die Afrikanische Schweinepest, eine hochansteckende und oft tödliche Krankheit, bleibt eine große Sorge – befallene Bestände müssen gekeult werden, um eine weitere Ausbreitung zu verhindern. Allein in Nordrhein-Westfalen starben über 300 Wildschweine an dem Virus, wobei die Fälle bisher auf die Kreise Olpe und Siegen-Wittgenstein beschränkt bleiben.

Tönnies betreibt acht Schlachthöfe in Deutschland und arbeitet mit mehr als 10.000 Lieferanten zusammen. 2024 verarbeitete das Unternehmen 13,2 Millionen Schweine und 400.000 Rinder. Rund 1.600 Schweinemäster beliefern Tönnies derzeit, wobei die engsten Partnerschaften in Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Schleswig-Holstein bestehen.

Der Westfälisch-Lippische Landwirtschaftsverband (WLV) lobte die Initiative als 'entscheidenden Schritt', um existenzbedrohende Risiken für Viehzüchter und Händler zu verringern. Die Police bietet zudem klarere rechtliche Absicherungen bei finanziellen Schäden. Vorerst übernimmt Tönnies die Versicherungskosten, plant jedoch, diese langfristig an die Lieferanten weiterzugeben – voraussichtlich in Form eines niedrigen zweistelligen Cent-Betrags pro Tier.

Neben der neuen Versicherung hat Tönnies seine Einkaufsbedingungen aktualisiert. Lieferanten müssen nun bestätigen, dass zum Zeitpunkt der Anlieferung keine meldepflichtigen Tierkrankheiten vorliegen. Dies folgt auf einen Vorfall 2024 in Mecklenburg-Vorpommern, bei dem kontaminiertes Vieh das Unternehmen zur Entsorgung einer großen Fleischcharge zwang.

Der Haftungsschutzschild ist ab sofort für alle Landwirte aktiv, die Tönnies beliefern. Ziel ist es, hohe finanzielle Verluste durch Seuchenausbrüche zu verhindern und gleichzeitig strengere Gesundheitskontrollen bei der Anlieferung sicherzustellen. Langfristig plant das Unternehmen, die Versicherungskosten auf die Lieferanten umzulegen, wobei die genaue Gebühr pro Tier noch geprüft wird.