THTR-300 in Hamm: Milliardengrab mit ungewisser Stilllegungs-Zukunft bis 2044
Luisa KleinTHTR-300 in Hamm: Milliardengrab mit ungewisser Stilllegungs-Zukunft bis 2044
Der Thorium-Hochtemperaturreaktor (THTR-300) in Hamm, Nordrhein-Westfalen, soll bis 2030 stillgelegt werden. Die Anlage, die ursprünglich 300 Megawatt Strom erzeugen sollte, litt unter wiederholten technischen Problemen und erfordert nun einen aufwendigen Rückbau. Die Kosten für die Abschaltung und Beseitigung belaufen sich bereits auf mehrere hundert Millionen Euro, wobei sowohl der Bund als auch das Land Nordrhein-Westfalen erhebliche Mittel beisteuern.
Der THTR-300 war nur 423 Tage in Volllast in Betrieb, bevor er am 1. September 1989 abgeschaltet wurde. In dieser kurzen Zeit verzeichnete er 125 meldepflichtige Zwischenfälle, was Zweifel an seiner Sicherheit aufkommen ließ. Ein entscheidender Grund für die spätere Stilllegung war die Entdeckung gebrochener Haltebolzen in der Heißgasleitung.
Seit der Schließung sind für den Reaktor rund 441 Millionen Euro an Nachlaufkosten angefallen. Die Stilllegungsarbeiten laufen bereits an, wobei die Vorbereitungen von 2028 bis 2044 geplant sind. Dabei müssen 305 Castor-Behälter mit etwa 675.000 bestrahlten Kugeln behandelt werden, die derzeit im Zwischenlager Ahaus lagern und auf eine endgültige Entsorgung warten.
Die Finanzierung der Stilllegung teilen sich der Bund und das Land Nordrhein-Westfalen (NRW). Bisher hat Berlin rund 133 Millionen Euro beigesteuert, während NRW etwa 152 Millionen Euro übernommen hat. Die Gesamtkosten bleiben jedoch unklar, da die bundesweiten Ausgaben für die Kernkraft-Stilllegung – einschließlich eines 23,6-Milliarden-Euro-Fonds der Energieversorger bis 2026 – auf weitere finanzielle Belastungen hindeuten.
Die Betreibergesellschaft des Reaktors, die Hochtemperatur-Kernkraftwerk GmbH (HKG), meldete Anfang dieses Jahres Insolvenz an. Am 23. September 2025 stellte das Amtsgericht Dortmund die HKG unter vorläufige Insolvenzverwaltung. Dies erschwert den Stilllegungsprozess zusätzlich, da mehrere Akteure – darunter das Bundesfinanzministerium, NRW, das Bundesamt für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung (BASE) sowie Unternehmen wie Urenco – in die Finanzierung und Überwachung eingebunden sind.
Die Stilllegung des THTR-300 wird bis 2044 andauern, wobei die eigentlichen Abrissarbeiten 2028 beginnen sollen. Bisher wurden über 300 Millionen Euro für die Abschaltung und die Lagerung des radioaktiven Abfalls ausgegeben. Die Insolvenz des Betreibers und die anhaltende Notwendigkeit einer sicheren Entsorgung der bestrahlten Materialien werden die künftigen Kosten und den Zeitplan des Projekts maßgeblich prägen.






