13 March 2026, 14:16

Studie enthüllt 489 Missbrauchsfälle im Erzbistum Paderborn bis 2002

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Bistumspfarrer von Paderborn Bentz bittet um Vergebung nach Missbrauchsstudie - Studie enthüllt 489 Missbrauchsfälle im Erzbistum Paderborn bis 2002

Eine neue Studie hat 489 Fälle von sexuellem Missbrauch im Erzbistum Paderborn zwischen 1941 und 2002 aufgedeckt. Die im März 2026 von der Universität Paderborn veröffentlichten Erkenntnisse belasten 210 beschuldigte Personen – darunter auch den verstorbenen Kardinal Johannes Joachim Degenhardt. Bisher haben weder Staatsanwaltschaften noch Gerichte auf die Vorwürfe gegen ihn reagiert.

Der Bericht hat die Forderungen nach Aufarbeitung im langjährigen Missbrauchsskandal der katholischen Kirche in Deutschland neu entfacht, der erstmals 2010 ans Licht kam. Überlebende haben bereits 93 Millionen Euro Entschädigung erhalten, doch die jüngsten Enthüllungen deuten auf tiefgreifendere institutionelle Versäumnisse hin.

Die Studie der Universität Paderborn, die um den 12. März 2026 veröffentlicht wurde, dokumentiert Jahrzehnte des Missbrauchs innerhalb des Erzbistums. Sie legt systemische Versagen offen: 210 Täter werden mit 489 Fällen über einen Zeitraum von 61 Jahren in Verbindung gebracht. Unter den Genannten ist auch Kardinal Degenhardt, der das Erzbistum von 1974 bis zu seinem Tod 2002 leitete.

Bischof Udo Markus Bentz bat nach Veröffentlichung des Berichts öffentlich die Opfer um Vergebung. Er bezeichnete die Ergebnisse als Beweis für den institutionellen Vertrauensbruch durch die Kirche. Reinhold Harnisch, Sprecher eines Opferverbandes, begrüßte Bentz' Entschuldigung, betonte jedoch die Notwendigkeit weiterer Schritte.

Harnisch unterstützte zudem Forderungen, öffentliche Plätze umzubenennen, die Degenhardt und seinen Vorgänger, Kardinal Lorenz Jaeger, ehren. Beide stehen im Verdacht, Missbrauchsfälle vertuscht zu haben. Das Erzbistum Paderborn kündigte unterdessen an, seine unabhängigen Untersuchungen zu vertiefen – mit besonderem Fokus auf Degenhardts Rolle.

Rechtliche Schritte gegen Degenhardt wurden bisher nicht eingeleitet, da die Studie keine gerichtliche Auseinandersetzung erwähnt. Die deutsche Staatsanwaltschaft hat sich zu den Vorwürfen nicht geäußert.

Der Bericht reiht sich in die wachsende Zahl von Belegen für weitverbreiteten Missbrauch innerhalb der deutschen katholischen Kirche ein. Mit bereits 93 Millionen Euro an Entschädigungen für Überlebende steht das Erzbistum nun unter Druck, seine Vergangenheit transparenter aufzuarbeiten. Weitere Untersuchungen zu Degenhardts Handlungen werden erwartet, auch wenn bisher keine juristischen Konsequenzen angekündigt wurden.

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