Sexualisierte Gewalt im Netz: Fast jedes zweite Kind in Deutschland betroffen
Julian LangSexualisierte Gewalt im Netz: Fast jedes zweite Kind in Deutschland betroffen
Fast die Hälfte der jungen Menschen in Deutschland war bereits von sexualisierter Gewalt im Internet betroffen – das ergab eine aktuelle Studie. Das Thema rückt zunehmend in den Fokus, nicht zuletzt durch prominente Fälle wie die Vorwürfe der Schauspielerin Collien Fernandes gegen ihren Ex-Mann. Fachleute betonen nun dringend die Notwendigkeit besserer Präventionsmaßnahmen, da digitale Übergriffe Kinder und Jugendliche längst im Alltag erreichen, etwa in Freundeskreisen oder Schulchats.
Eine Sonderauswertung der Jugendsexualitätsstudie des Bundesinstituts für öffentliche Gesundheit (BZgA) förderte alarmierende Zahlen zutage: Fast jeder zweite junge Mensch erlebt sexualisierte Gewalt im Netz. Dazu zählt etwa Cybergrooming, bei dem Täter gezielt über Chats Kontakt zu Kindern aufbauen und so Zugriff erhalten, den sie offline nie hätten. Viele Vorfälle geschehen aber auch innerhalb der Peer-Groups – oft aus Naivität oder mangelndem Bewusstsein für die Konsequenzen.
Yasmina Ramdani, Expertin für digitale Sicherheit, leitete in Thüringen ein dreijähriges Pilotprojekt zur Bekämpfung des Problems. In Workshops erreichte sie rund 5.000 Schülerinnen und Schüler der fünften bis achten Klasse, etwa mit Bingospielen, um Erfahrungen mit Apps zu besprechen und Fachbegriffe zu erklären. Zwar gibt es keine aktuellen Daten, wie viele Schulen bundesweit ähnliche Programme eingeführt haben, doch Ramdani ist überzeugt: Die Sicherheit von Kindern im Netz hängt von begleitenden Erwachsenen und vorbereiteten Umfeldern ab.
Lehrkräfte erkennen zwar die Bedeutung des Themas, fühlen sich aber oft überfordert. Prävention, so das Argument der Fachleute, sei auf Dauer deutlich kostengünstiger als die Bewältigung der langfristigen Folgen solcher Übergriffe. Auch Eltern werden aufgefordert, das eigene Verhalten zu reflektieren und klare Grenzen zu setzen, um Risiken für ihre Kinder zu minimieren.
Die wachsende Aufmerksamkeit für digitale sexualisierte Gewalt unterstreicht den Bedarf an stärkeren Schutzkonzepten. Schulen, Eltern und Gemeinden müssen zusammenarbeiten, um junge Menschen über Gefahren im Netz aufzuklären. Ohne gezielte Maßnahmen wird sich das Problem weiter verschärfen – mit Folgen für immer mehr Kinder und Jugendliche, sowohl im privaten als auch im schulischen Umfeld.






