Münster erklärt Marderhund-Plage zum Notfall – Jäger schlagen Alarm
Dramatischer Anstieg der Marderhund-Population zwingt Münster zu drastischen Maßnahmen
Seit April haben Jäger in Münster über 70 der invasiven Tiere erlegt – fast das Dreifache des Vorjahreswerts. Die Lage hat sich so zugespitzt, dass lokale Bemühungen allein das Problem nicht mehr in den Griff bekommen.
Marderhunde, ursprünglich aus Nordamerika stammend, haben sich in den letzten Jahrzehnten rasant in Deutschland ausgebreitet. Besonders im Heidekreis ist ihre Zahl seit den 1980er-Jahren explodiert, unter anderem wegen Fluchtfälle aus Pelztierfarmen in der DDR-Zeit. Schlechter bewirtschaftete Militär- und Forstgebiete boten ideale Lebensräume, sodass sich die Population ungehindert vermehren konnte.
Mittlerweile verursachen die Tiere erhebliche Probleme: Sie dringen in Dachböden, Schornsteine und Gartenhäuser ein und richten dort teure Schäden an. Ihre Anpassungsfähigkeit macht sie zwar überlebensstark, doch verdrängen sie gleichzeitig heimische Vögel, Eichhörnchen und andere Wildtiere aus ihren Nestern. Die Konflikte verschärfen sich zudem, weil Anwohner Wildtiere füttern – und so ungewollt Marderhunde anlocken, was zu Streit unter Nachbarn führt.
Als Reaktion hat Thomas Brammer, der Kreisjagdmeister, neue landesweite Richtlinien für die Bejagung von Dachs und Marder in ruhigen Wohngebieten vorgeschlagen. Der Plan sieht vor, in jedem Jagdverein spezielle Einsatzteams aufzustellen. Diese sollen direkt mit Kommunen, Ordnungsämtern und Bürgern zusammenarbeiten, um die Tiere zu überwachen und zu regulieren. Zudem wurden finanzielle Mittel zugesagt, um Fallen, Käfige und Alarmanlagen für die Jagdvereine anzuschaffen.
Ziel der Maßnahmen ist es, die Marderhund-Population einzudämmen, bevor sie sich weiter ausbreitet. Da die erlegten Tiere von 26 im Vorjahr auf über 70 in dieser Saison angestiegen sind, stuft die Behörde die Situation als regionale Krise ein. Jäger und lokale Initiativen erhalten nun mehr Ressourcen, um das Problem effektiver zu bekämpfen.