Milo Rau inszeniert AfD-Verbot als theatralischen Prozess bei den Hamburger SV Lessingtagen

Julian Lang
Julian Lang
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Eine Schwarz-Weiß-Zeichnung eines überfüllten Gerichtssaals mit stehenden und sitzenden Menschen, beschriftet mit «Der Prozess gegen die britische Armee in London, England».Julian Lang

Regisseur Milo Rau stellt die AfD im Theater vor Gericht - Milo Rau inszeniert AfD-Verbot als theatralischen Prozess bei den Hamburger SV Lessingtagen

Die Hamburger SV Lessingtage – ein etabliertes politisches Festival – kehren in diesem Jahr mit einem gewagten neuen Format zurück:** Der Schweizer Regisseur Milo Rau inszeniert in Deutschland erstmals ein theatralisches "Gerichtsverfahren" – eine dreitägige Scheinverhandlung über ein mögliches Verbot der rechtspopulistischen AfD. Das von Matthias Lilienthal kuratierte Festival schließt mit dieser provokanten Produktion im Thalia Theater.

Die Hamburger SV Lessingtage, 2010 vom ehemaligen Thalia-Intendanten Joachim Lux gegründet, haben sich längst als zentrale Plattform für politische und künstlerische Debatten etabliert. Die diesjährige Ausgabe markiert einen Wandel unter Lilienthal, der 2024 die künstlerische Leitung der Berliner Volksbühne übernehmen wird.

Höhepunkt des Festivals ist Raus "Prozess gegen Deutschland" – eine inszenierte Gerichtsverhandlung, die prüft, ob die AfD verboten werden sollte. Die ehemalige Bundesjustizministerin Herta Däubler-Gmelin übernimmt die Rolle der Richterin und verleiht dem theatralischen Experiment damit realpolitisches Gewicht. Wer nicht vor Ort sein kann, verfolgt die Verhandlung per Live-Stream** auf der Website des Thalia Theaters.

Raus Ansatz verbindet Performance-Kunst mit brennenden politischen Fragen. Zwar sind Details zu seinen früheren Arbeiten oft rar, doch diese Produktion führt seine Tradition konfrontativer, partizipativer Theaterformate fort. Bis zum Abschluss des Prozesses bietet das Festival ein Programm aus Diskussionen, Aufführungen und öffentlicher Teilhabe.

"Der Prozess gegen Deutschland" rückt eine gesellschaftlich zersplitternde Debatte durch die Kraft der Bühne ins Rampenlicht. Mit Däubler-Gmelin als präsidierender Richterin verschmelzen hier Kunst und Aktivismus auf eine in der deutschen Theaterlandschaft seltene Weise. Die Live-Übertragung trägt die Diskussion über die Theaterwände hinaus – und lädt zu einer breiten öffentlichen Reflexion ein.