16 March 2026, 12:25

Kunstakademie Düsseldorf: Streit um Freiheit und politische Einmischung eskaliert

Eine Gruppe von Menschen steht vor einem Geb├Ąude an der Universit├Ąt von Michigan, mit Schildern und Kameras, mit B├Ąumen und Himmel im Hintergrund, protestiert gegen die Schule.

Offener Brief Warnt vor politischem Druck auf Universit├Ąten - Kunstakademie Düsseldorf: Streit um Freiheit und politische Einmischung eskaliert

An der Düsseldorfer Kunstakademie ist ein Streit über künstlerische Freiheit und politischen Druck entbrannt. Auslöser der Kontroverse war die Einladung an die palästinensische Künstlerin Basma al-Sharif, die zu Vorwürfen des Antisemitismus und Forderungen nach einer Absage führte. Nun haben über 1.100 Wissenschaftler:innen und Künstler:innen einen offenen Brief unterzeichnet, in dem sie die Autonomie der Institution verteidigen.

Die öffentliche Debatte begann im Januar 2026, als zionistische Gruppen und jüdische Akademiker:innen gegen den geplanten Auftritt al-Sharifs protestierten. Sie verwiesen auf ihre pro-palästinensischen Instagram-Posts als Beleg für Antisemitismus. Trotz der Kritik veranstaltete die Kunstakademie Düsseldorf am 17. Februar 2026 eine nicht-öffentliche Veranstaltung, zu der die Öffentlichkeit aus Sicherheitsgründen keinen Zutritt hatte.

Die Kritik riss auch danach nicht ab – es gab Forderungen nach dem Rücktritt der Rektorin Donatella Fioretti. Diese lehnte einen Rückzug ab und verteidigte die Entscheidung, al-Sharif einzuladen. Eine spätere juristische Prüfung kam zu dem Schluss, dass die Äußerungen der Künstlerin nicht strafrechtlich relevant seien und unter den Schutz der Meinungsfreiheit fielen.

Als Reaktion veröffentlichten mehr als 1.100 Unterzeichner:innen – darunter der Fotograf Wolfgang Tillmans, die Philosophin Susan Neiman und die Historikerin Ruth Noack – einen offenen Brief. Darin argumentieren sie, dass politischer Druck und Einschüchterungsversuche die Unabhängigkeit der Universitäten und die akademische Freiheit bedrohten. Der Brief verurteilte zudem die von der rechtspopulistischen AfD geprägte Formulierung vom "Mantel" der künstlerischen Freiheit, mit der verfassungsmäßige Schutzrechte untergraben werden sollten.

Die Unterzeichner:innen betonten, dass Artikel 5 des Grundgesetzes die Freiheit von Kunst, Wissenschaft und Lehre schütze – selbst bei umstrittenen Positionen. Fioretti wird nun am Mittwoch vor einer Sonderitzung des Ausschusses für Kultur und Medien des Landtages aussagen.

Der Konflikt zeigt die Spannungen zwischen künstlerischem Ausdruck und der Sorge vor Antisemitismus auf. Fiorettis anstehende Aussage wird sich mit den weiteren Folgen für die akademische Freiheit in Deutschland befassen. Der Brief warnt, dass der Fall einen Präzedenzfall für eine verstärkte politische Einmischung in Universitäten und Kultureinrichtungen schaffen könnte.

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