Kunst, Kontroverse und Boykott: Die 61. Biennale Venedig polarisiert
Die 61. Biennale von Venedig hat für das Publikum geöffnet – mit 100 Nationalpavillons und 111 teilnehmenden Künstlern und Künstlerinnen. Die diesjährige Ausgabe steht unter dem Motto „In Moll“ und läuft bis zum 22. November. Doch die Veranstaltung ist von einer Kontroverse überschattet: Die internationale Jury kündigte einen Boykott gegen Israel und Russland an, deren Führungspersonen vom Internationalen Strafgerichtshof (IStGH) der Verbrechen gegen die Menschlichkeit beschuldigt werden.
Der Boykott markiert eine ungewöhnliche politische Wende für die renommierte Kunstausstellung. Die Jurymitglieder erklärten, sie würden Länder, deren Regierungen vom IStGH angeklagt sind, von der Preisvergabe ausschließen. Diese Haltung führte dazu, dass alle fünf Juroren am 30. April zurücktraten – die Organisatoren sahen sich gezwungen, die Verleihung der Goldenen Löwen zu verschieben.
Die Biennale-Stiftung und die italienische Regierung lehnten den Boykott ab und bestanden auf institutionelle Neutralität. Trotz des Streits führte die Biennale ein neues Beteiligungsmodell ein: die „Besucher-Löwen“, bei dem das Publikum über seine Lieblingspavillons und -künstler abstimmen kann.
Zu den Highlights zählt der russische Pavillon mit „Der Baum hat seine Wurzeln im Himmel“, an dem rund 40 Künstler mitwirken. Portugal präsentiert Alexandre Estrelas „RedSkyFalls“ im Palazzo Fondaco Marcello, während Brasilien und Osttimor die lusophone Welt vertreten. Insgesamt umfasst die Biennale 31 Begleitveranstaltungen in ganz Venedig. Die Preisverleihungen sollen nun am letzten Tag stattfinden.
Der Boykott und die Rücktritte der Jury haben Teile der diesjährigen Biennale überschattet. Dennoch läuft das Programm wie geplant weiter – mit Publikumswahl und einem breiten Spektrum internationaler Ausstellungen. Die finalen Preise werden nach dem verschobenen Bewertungsverfahren bis zum 22. November vergeben.






