Kirchenkreis Solingen kämpft mit Defiziten und plant radikale Umstrukturierung bis 2030
Lina KochKirchenkreis Solingen kämpft mit Defiziten und plant radikale Umstrukturierung bis 2030
Der Kirchenkreis Solingen steht vor finanziellen und operativen Herausforderungen
Der Evangelische Kirchenkreis Solingen sieht sich in den kommenden Jahren mit finanziellen und betrieblichen Schwierigkeiten konfrontiert. Superintendentin Dr. Ilka Werner stellte diese Probleme in ihrem Jahresbericht vor und verwies dabei auf Haushaltsdefizite sowie steigende Kosten. Zudem ging sie auf gesellschaftliche Themen ein, darunter einen Appell zur Solidarität mit Israel und ein entschlossenes Vorgehen gegen Antisemitismus.
Rückläufige Kirchensteuereinnahmen und Tariferhöhungen führen dazu, dass der Kirchenkreis für 2024 mit einem deutlichen Haushaltsdefizit rechnet. Die Diakonie, der soziale Zweig der Kirche, kämpft mit stark gestiegenen Personalkosten, was Fragen nach ihrer zukünftigen Stabilität aufwirft. Werner warnte, dass ohne zusätzliche staatliche Unterstützung einige Angebote möglicherweise eingeschränkt werden müssten.
Um diesen Druck zu begegnen, plant der Kirchenkreis eine Umstrukturierung seiner Arbeit. Zehn Gemeinden sollen enger zusammenarbeiten und drei regionale Verbünde bilden. Pfarrerinnen und Pfarrer werden künftig in Teams ganze Bereiche betreuen, statt einzelne Gemeinden. Bis 2030 soll die Zahl der Pfarrstellen von 19 auf 12 reduziert werden.
Mitarbeitende in der Kirchenmusik sowie in der Kinder- und Jugendarbeit werden künftig direkt vom Kirchenkreis beschäftigt. Die Synode verabschiedete zudem eine neue Satzung für die Diakonische Agentur, die ihr mehr Eigenständigkeit und schnellere Entscheidungswege ermöglicht. Fortschritte gab es auch im Bereich Prävention: Alle Beschäftigten durchlaufen Schulungen, um sexualisierte Gewalt zu verhindern.
In ihrem Bericht verurteilte Werner zudem den wachsenden Antisemitismus. Es sei unerträglich, dass solcher Hass trotz des früheren Schwurs „Nie wieder!“ weiterbestehe. Sie rief die Gemeinden dazu auf, Demut zu zeigen, aber gleichzeitig klar gegen Antisemitismus im Zusammenhang mit dem Nahostkonflikt Stellung zu beziehen.
Der Kirchenkreis unternimmt Schritte, um sich den finanziellen Belastungen und gesellschaftlichen Verantwortungen anzupassen. Durch Umstrukturierung und engere Zusammenarbeit der Gemeinden soll die Zukunft gesichert werden. Werters Appell zu Solidarität und gegen Antisemitismus unterstreicht zugleich das weitere moralische Engagement der Kirche.






