Jugend in NRW wendet sich von der Demokratie ab – nur noch 47 Prozent zufrieden
Luisa KleinJugend in NRW wendet sich von der Demokratie ab – nur noch 47 Prozent zufrieden
Eine neue Studie aus Nordrhein-Westfalen offenbart einen besorgniserregenden Rückgang der demokratischen Unterstützung unter Jugendlichen. Die Zufriedenheit mit der Demokratie ist deutlich gesunken – nur noch 47 Prozent der 14- bis 18-Jährigen sind mit ihrer Funktionsweise zufrieden. Gleichzeitig nehmen undemokratische Einstellungen zu: Fast die Hälfte der Befragten befürwortet eine starke Einzelpartei, die den "Volkswillen" vertreten soll.
Die Untersuchung unterscheidet drei gesellschaftliche Gruppen: 44 Prozent gelten als überzeugte "Demokraten", 42 Prozent als "fragile Demokraten" und 8 Prozent als "Demokratiegegner". Besonders bei jüngeren Altersgruppen schwindet die Unterstützung für die Demokratie spürbar. Nur noch 83 Prozent der 19- bis 29-Jährigen stehen hinter ihr, während die Zufriedenheit bei den 14- bis 18-Jährigen seit 2022 von 62 auf 38 Prozent eingebrochen ist.
Als Hauptgründe nennen die Autoren politische Polarisierung, Misstrauen gegenüber Institutionen und die Verbreitung von Falschinformationen in sozialen Medien. Bundesbildungsministerin Karin Prien zeigt sich besorgt über die Konfrontation junger Menschen mit Frauenfeindlichkeit, Gewalt und Extremismus im Netz.
Die Studie stellt zudem einen Zusammenhang zwischen persönlicher Lebenszufriedenheit und demokratischer Haltung her: Wer mit seinem Leben zufrieden ist, bewertet auch die gesellschaftlichen Verhältnisse positiver. Allerdings fühlen sich nur 57 Prozent der Jugendlichen durch die Schule ausreichend darauf vorbereitet, verlässliche politische Informationen zu finden – obwohl 76 Prozent sich mehr politische Themen im Unterricht wünschen.
Experten betonen die Dringlichkeit einer besseren politischen Bildung, insbesondere für Jugendliche mit niedrigerem Bildungsstand. Ohne Gegenmaßnahmen drohten sich bestehende Ungleichheiten zu verschärfen und digitale Radikalisierung weiter um sich zu greifen.
Die Ergebnisse verdeutlichen "mittelfristige Risiken" für die Demokratie, angetrieben durch schwindende Unterstützung und die Kluft zwischen persönlichen Lebensumständen und politischen Einstellungen. Forderungen nach einer Stärkung der politischen Bildung in Schulen zielen darauf ab, demokratische Kompetenzen zu fördern und der Einflussnahme durch Online-Desinformation entgegenzuwirken. Ohne gezieltes Handeln könnte der Trend das Vertrauen in demokratische Institutionen weiter untergraben.






