Iris Berben mit 75: Warum sie die Ehe stets ablehnte – ein Statement für Freiheit

Lina Koch
Lina Koch
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Eine Zeichnung einer Frau in einem Kleid im Stil der 1960er Jahre mit Kragen, langen Ärmeln und einemrock mit Falten, die mit ausgestreckten Armen und leicht geneigtem Kopf steht, mit dem Text «1960er Jahre» auf dem Papier.Lina Koch

Iris Berben: Keine Veranlassung für Heirat - Iris Berben mit 75: Warum sie die Ehe stets ablehnte – ein Statement für Freiheit

Schauspielerin Iris Berben, heute 75, hat die Ehe stets als Lebensentwurf abgelehnt. Ihre Entscheidung gründet auf einem lebenslangen Bekenntnis zur Unabhängigkeit – geprägt von den engen gesellschaftlichen Normen der 1960er-Jahre. Damals benötigten Frauen in Deutschland selbst die Erlaubnis ihres Ehemanns, um arbeiten zu dürfen – eine Regel, die sie als inakzeptabel empfand.

Berben wuchs in einer Zeit auf, in der verheiratete Frauen mit massiven rechtlichen und gesellschaftlichen Beschränkungen konfrontiert waren. Noch in den 1960er-Jahren war die Zustimmung des Ehemanns für eine Berufstätigkeit vorgeschrieben – eine Vorschrift, die erst mit der Reform des Ehe- und Familienrechts 1961 schrittweise gelockert wurde. Erst 1977 trat die vollständige Neuregelung in Kraft, die verheirateten Frauen endlich rechtliche Selbstbestimmung und das Recht auf Arbeit ohne Erlaubnis einräumte.

Die politischen und sozialen Bewegungen jenes Jahrzehnts bestärkten sie in ihrer Ablehnung traditioneller Erwartungen. Im Laufe der Zeit führte Deutschland weitere Schutzmechanismen ein: Das 1977 verabschiedete Gleichbehandlungsgesetz verbot geschlechtsspezifische Diskriminierung am Arbeitsplatz, 1986 wurde der Erziehungsurlaub eingeführt, der später durch Leistungen wie das Elterngeld (2007) erweitert wurde. Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz von 1994 und spätere Regelungen – etwa die Lohntransparenzgesetze oder die Frauenquote in Aufsichtsräten (2015) – veränderten die Rechte von Frauen grundlegend. Dennoch bestehen Herausforderungen wie die Lohnlücke zwischen den Geschlechtern fort.

Auch Berbens privates Leben spiegelt ihre Überzeugungen wider. Seit fast 20 Jahren lebt sie mit ihrem Partner Heiko Kiesow zusammen – ohne zu heiraten. Ihre Haltung richtet sich nicht gegen die Institution als solche; sie sah schlicht nie einen Grund, sie für ihr eigenes Leben zu wählen.

Heute steht Berbens Entscheidung symbolisch für den langen Weg der Frauenrechte seit den 1960er-Jahren. Rechtliche Reformen haben alte Barrieren abgebaut und Autonomie in Beruf, Familie und persönlichen Entscheidungen ermöglicht. Doch ihre Geschichte zeigt auch: Echte Gleichberechtigung geht über Gesetze hinaus – sie liegt in der Freiheit, nach den eigenen Werten zu leben.