Evonik-Aktie unter Druck: Analysten warnen vor strukturellen Risiken und chinesischer Konkurrenz

Julian Lang
Julian Lang
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Menschen werden auf einem Markt unter einem sonnigen Himmel gesehen.Julian Lang

Evonik-Aktie unter Druck: Analysten warnen vor strukturellen Risiken und chinesischer Konkurrenz

Der Aktienkurs von Evonik bewegt sich in der Nähe eines 52-Wochen-Tiefs, während technische Indikatoren extrem überverkaufte Bedingungen anzeigen. Dennoch warnen Analysten, dass tiefgreifende strukturelle Herausforderungen jede Aussicht auf eine kurzfristige Erholung überschatten. Die Marktstimmung bleibt gespalten: Einige Banken raten zur Vorsicht, während andere ihre Prognosen angesichts wachsender Bedenken hinsichtlich der Gewinnaussichten des Unternehmens anpassen.

Am 7. Januar stufte die Privatbank Berenberg die Evonik-Aktie von „Halten“ auf „Verkaufen“ herab und senkte das Kursziel von 14,60 Euro auf 11,60 Euro. Als Begründung führte die Bank schwächere Gewinnprognosen, schrumpfende Margen durch steigende Energie- und Rohstoffkosten sowie eine sich verschlechternde Perspektive für wichtige Absatzmärkte an. Eine KI-gestützte Analyse identifizierte zudem negative Preistrends in sieben von zehn zentralen Geschäftsindikatoren – ein weiteres Warnsignal für kommende Belastungen.

Die Methionin-Sparte von Evonik, die im vergangenen Jahr rund 300 Millionen Euro zum bereinigten EBITDA beisteuerte, sieht sich nun mit einer massiven Bedrohung durch Chinas rasante Expansion konfrontiert. Bis Anfang der 2030er Jahre planen chinesische Hersteller, die Kapazitäten um 1,5 Millionen Tonnen Methionin auszubauen – ein globaler Anstieg um 50 Prozent, der den inländischen Bedarf bei Weitem übersteigt. Diese Überkapazitäten könnten die Profitabilität von Evonik in einem seiner lukrativsten Segmente aushöhlen. Die Analysten blicken zunehmend pessimistisch auf die mittelfristige Performance des Unternehmens. Aktuelle Prognosen für 2026 und 2027 deuten auf ein operatives Ergebnis (EBITDA) hin, das rund 10 Prozent unter den Markterwartungen liegt; für 2027 wird nun nur noch mit 1,77 Milliarden Euro gerechnet. Einige Experten fordern entschlossenes Handeln der Unternehmensführung – einschließlich einer möglichen Zerschlagung des Konzerns –, um diesen strukturellen Gegenwinden zu begegnen und Aktionärswert freizusetzen. Die Meinungen am Markt bleiben geteilt: Während die Deutsche Bank und Barclays bei „Halten“ bleiben, hat Morgan Stanley Evonik kürzlich auf „Market Perform“ hochgestuft. Der Wechsel spiegelt die anhaltende Unsicherheit wider, ob es dem Unternehmen gelingt, seine Kerngeschäfte angesichts anhaltender Preisdrucks und Wettbewerbsintensivierung zu stabilisieren.

Die Evonik-Aktie bleibt unter starkem Abwärtsdruck, belastet von sowohl technischen als auch fundamentalen Faktoren, die das Anlegervertrauen untergraben. Die Kombination aus chinesischen Überkapazitäten, fallenden Preistrends und herabgestuften Gewinnprognosen stellt die Unternehmensführung vor eine erhebliche Bewährungsprobe. Ohne entschlossene Gegenmaßnahmen rechnen Analysten mit weiterem Abwärtsdruck auf Kursentwicklung und Profitabilität.