29 March 2026, 14:19

Bottrop diskutiert reproduktive Rechte: Wie nah ist die Dystopie an der Realität?

Ein historisches Bild mit dem Titel "Die Gefangennahme einer ungeschützten Frau oder das Ende der Rebellion" zeigt eine Gruppe von Menschen auf dem Boden, einige schauen ängstlich nach oben und andere verzweifelt nach unten.

Bottrop diskutiert reproduktive Rechte: Wie nah ist die Dystopie an der Realität?

Veranstaltung in Bottrop zum Safe Abortion Day: Debatte über reproduktive Rechte und politische Realität

Eine aktuelle Veranstaltung in Bottrop zum Safe Abortion Day bot eine eindringliche Diskussion über reproduktive Rechte. Die Autorin Nora Burgard-Arp las aus ihrem dystopischen Roman Wir nicht, der eine Gesellschaft entwirft, in der Frauenkörper – selbst ihre Menstruationszyklen – streng kontrolliert werden. Die vom Gleichstellungsbüro der Stadt organisierte Zusammenkunft entwickelte sich schnell zu einer Debatte über reale Abtreibungsgesetze und politische Handlungsmöglichkeiten.

In Burgard-Arps Debütroman folgt die Leserschaft Mathilda, einer Frau, die Unterdrückung schweigend erträgt, bis eine ungewollte Schwangerschaft sie zum Widerstand treibt. In dieser fiktiven Welt werden Frauenleben von Haushaltspflichten, Vereinsaktivitäten und staatlich überwachter Fruchtbarkeit bestimmt. Mathildas leiser Protest beginnt, als sie ihre Zyklusaufzeichnungen fälscht und die Schwangerschaft verbirgt, um ihre Selbstbestimmung zurückzugewinnen.

Die Lesung fand am 26. September 2025 im VHS Film Forum Bottrop statt – zwei Tage vor dem Safe Abortion Day, einer jährlichen Kampagne, die sichere Abtreibungen als grundlegendes Gesundheitsrecht einfordert. Nach dem Ausschnitt entbrannte im Publikum eine lebhafte Diskussion darüber, wie solche dystopischen Szenarien durch politisches Engagement verhindert werden können.

Abtreibungsgesetze in Deutschland: Eine umstrittene Geschichte Seit 1871 ist der Schwangerschaftsabbruch in Deutschland im Strafgesetzbuch (§ 218 StGB) geregelt. Nach der Wiedervereinigung 1990 löste das Land das liberale Modell der DDR – Abtreibung auf Wunsch bis zur 12. Woche – durch strengere Vorschriften ab. Aktuelle Umfragen zeigen, dass über 80 Prozent der Deutschen für eine Streichung aus dem Strafrecht plädieren.

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Politische Dynamik 2026: Reformen im Fokus Im Februar 2026 brachten die Grünen und die Linke Anträge im Bundestag ein, um Abtreibungen aus dem Strafrecht zu entfernen und in die Regelversorgung der Krankenkassen aufzunehmen. Einen Monat später folgte ein ähnlicher Vorstoß der SSW im Bundesrat. Doch ein Decriminalisierungsversuch 2025 scheiterte kurz nach den Wahlen. Das Bottroper Gleichstellungsbüro setzt sich weiterhin für Reformen ein – ganz im Sinne des Romans, der Widerstand und körperliche Selbstbestimmung thematisiert.

Die Veranstaltung machte deutlich, wie nah Dystopie und Realität beieinanderliegen, wenn es um den Zugang zu Abtreibungen geht. Burgard-Arp bietet zudem kostenlose Schullesungen auf Einladung von Lehrkräften an, um die Debatte auch jüngeren Generationen näherzubringen. Unterdessen bleiben die politischen Bemühungen zur Entkriminalisierung in Deutschland im Fluss – bei historisch hoher öffentlicher Unterstützung.

Quelle