Widerstand gegen Flüchtlingsheim in Ratingen: Warum Anwohner protestieren

Lina Koch
Lina Koch
2 Min.
Eine Gruppe von Menschen steht vor einem Gebäude, eine Frau in der Mitte hält ein Schild mit der Aufschrift "Flüchtlinge Willkommen", andere tragen Taschen, und Geländer im Vordergrund.Lina Koch

Widerstand gegen Flüchtlingsheim in Ratingen: Warum Anwohner protestieren

Geplante Flüchtlingsunterkunft in Ratingen stößt auf starken Widerstand der Anwohner

Die Stadt Ratingen kündigte die Wiedereröffnung einer Flüchtlingsunterkunft erst zehn Tage vor einer Informationsveranstaltung an – für die Nachbarn kam dies überraschend und sorgte für Verärgerung. Bei dem Treffen dominierten Bedenken hinsichtlich der Sicherheit und möglicher psychischer Belastungen die Diskussion.

Die Unterkunft in der Gothaer Straße soll 60 alleinstehende Männer im Alter zwischen 20 und 63 Jahren aufnehmen, überwiegend Syrer und Afghanen. Alle Bewohner sind anerkannten Flüchtlingen, die Hälfte von ihnen ist bereits berufstätig, weitere 30 Prozent nehmen an Integrationsprogrammen teil. Die Stadt entschied sich bewusst gegen die Aufnahme von Familien mit Kindern, um die ohnehin schon angespannten lokalen Dienstleistungen nicht zusätzlich zu belasten.

Rund 100 Menschen nahmen an der Veranstaltung mit dem Titel „Unterbringung von Geflüchteten in der Gothaer Straße“ teil. Viele äußerten Sorgen um die Sicherheit von Frauen sowie mögliche Risiken durch nicht diagnostizierte psychische Erkrankungen. Der Stadtteil Ratingen-West, in dem die Unterkunft liegt, gilt bereits als sozialer Brennpunkt – bedingt durch hohe Zuwanderungszahlen und die Belastung öffentlicher Einrichtungen. Martin Sahler von der Caritas vermutete, dass die hohe Teilnehmerzahl auch auf den Einfluss der rechtspopulistischen AfD zurückzuführen sein könnte. Zwar war keine Partei offiziell an der Organisation der Veranstaltung beteiligt, doch der AfD-Stadtrat Martin Kostyra bestätigte, er habe Anwohner explizit zur Teilnahme aufgefordert. Die kurze Vorlaufzeit der Ankündigung verschärfte die Spannungen zusätzlich.

Trotz der Proteste bleibt die Eröffnung der Unterkunft wie geplant. Die Anwohner äußern weiterhin Bedenken, insbesondere in puncto Sicherheit und psychische Gesundheit. Noch ist unklar, wie die Stadt mit dem anhaltenden Widerstand umgehen und den zusätzlichen Druck auf die lokalen Dienstleistungen bewältigen will.