Thalia Theater inszeniert Schauprozess: Soll die AfD verboten werden?

Julian Lang
Julian Lang
2 Min.
Eine Zeichnung eines Gerichtssaals mit Menschen auf Stühlen und Stehplätzen, einem Podium mit Mikrofon auf der rechten Seite, Fenstern auf der linken Seite und Text unten.Julian Lang

Thalia Theater inszeniert Schauprozess: Soll die AfD verboten werden?

Umstrittenes Schauprozess am Hamburger Thalia Theater: Sollte die AfD verboten werden?

Am Hamburger Thalia Theater hat ein umstrittenes theatralisches Gerichtsverfahren stattgefunden, das die Frage aufwarf, ob die rechtspopulistische AfD in Deutschland verboten gehören sollte. Inszeniert wurde der Prozess von Milo Rau, einem Regisseur, der für seine Verschmelzung von Recht und Theater bekannt ist. Die Veranstaltung löste heftige Reaktionen aus – einige Beteiligte zogen sich sogar in letzter Minute zurück.

Die unter dem Titel "Prozess gegen Deutschland" aufgeführte Produktion folgte Raus bewährter Methode, reale juristische Debatten mit tatsächlichen Opfern, Expert:innen und öffentlichen Persönlichkeiten auf die Bühne zu bringen. In früheren Werken wie "Die letzten Tage der Ceaușescus" oder "Das Kongo-Tribunal" hatte er auf ähnliche Weise politische und historische Konflikte untersucht. Diesmal stand die Rolle der AfD in der deutschen Demokratie im Mittelpunkt.

Den Vorsitz führte Herta Däubler-Gmelin, ehemalige deutsche Justizministerin. Der Prozess umfasste Plädoyers von Anklage und Verteidigung. Doch als rechtsextreme Akteure auf der Bühne erschienen, eskalierte die Situation. Mehrere Teilnehmer:innen – von beiden Seiten – sagten kurz vor Beginn ab, da sie sich weigerten, mit ihnen eine gemeinsame Plattform zu teilen.

Nach zwei Tagen mit Zeugenaussagen und Debatten kam eine siebenköpfige Jury zu dem Schluss, dass ein formelles Verbot der AfD geprüft werden sollte. Ihre Empfehlung befeuert nun die laufende nationale Diskussion über die Zukunft der Partei.

Das Ergebnis des Schauprozesses hat zwar keine rechtliche Bindung, setzt aber die Behörden unter Druck, den Status der AfD neu zu bewerten. Raus Inszenierung zeigt einmal mehr, wie Theater reale gesellschaftliche Debatten ins Rampenlicht rücken kann. Der Rückzug zentraler Teilnehmer:innen unterstreicht zudem die tiefen Gräben, die die AfD in der deutschen Gesellschaft aufreißt.