Steinmeiers Weg vom Fußballplatz ins Präsidialamt – und die Schatten seiner Russlandpolitik

Lina Koch
Lina Koch
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Eine Person hält ein Mikrofon vor einem Banner mit der Aufschrift 'Bundes'.Lina Koch

Vom Kicken 'Prickel' zum Bundespräsidenten - Steinmeiers Weg vom Fußballplatz ins Präsidialamt – und die Schatten seiner Russlandpolitik

Frank-Walter Steinmeier, der amtierende Bundespräsident Deutschlands, wird am 5. Januar 2026 seinen 70. Geburtstag feiern. Geboren in Detmold und im Kreis Lippe aufgewachsen, stammte er aus einer Familie mit Wurzeln in der Landwirtschaft und der saisonalen Ziegelherstellung. Sein Weg vom örtlichen Fußballplatz ins Präsidialamt war geprägt von politischem Einfluss und persönlichen Rückschlägen.

Seine frühen Jahre verbrachte Steinmeier in Brakelsiek, wo er als hart, aber fairer Verteidiger für den TuS 08 Brakelsiek spielte. Seine Mannschaftskameraden nannten ihn Prickel – ein Verweis auf seinen kompromisslosen Spielstil. Nach dem Schulabschluss studierte er intensiv Jura, bestand beide Staatsexamen und promovierte 1991 an der Universität Gießen mit einer Arbeit über Obdachlosigkeit.

Seine politische Karriere nahm 1993 Fahrt auf, als Gerhard Schröder, damals niedersächsischer Ministerpräsident, ihn anwarb. Dieser Schritt ebnete ihm den Weg in die Bundespolitik. Als Außenminister machte sich Steinmeier einen Namen durch die Pflege enger Beziehungen zu Russland und prägte jahrelang Deutschlands Kooperationskurs mit Moskau. Doch seine diplomatischen Bemühungen gerieten nach dem russischen Überfall auf die Ukraine 2022 in scharfe Kritik. Im selben Jahr teilten ukrainische Offizielle ihm mit, er sei in Kiew nicht willkommen – eine öffentliche Zurückweisung, die den Wandel in der Wahrnehmung seiner früheren Politik unterstrich. Trotz aller Kontroversen hält Steinmeier bis heute an einer persönlichen Tradition fest: Jedes Jahr zu Weihnachten serviert er in Berlin Obdachlosen Kartoffelsuppe mit Würstchen.

Mit 71 Jahren wird Steinmeier sein Amt niederlegen und damit eine Laufbahn beenden, die von lokalen Fußballplätzen über juristische Forschung bis in die höchsten Etagen der deutschen Politik reichte. Seine Präsidentschaft war geprägt von seinem frühen Einsatz für den Dialog mit Russland – und später von den Folgen dieser Haltung. Der Sohn von Saisonarbeitern wird sich nach Jahrzehnten im Rampenlicht aus der Öffentlichkeit zurückziehen.