Rücktritt von Annette Kurschus: EKD-Chefin gibt nach Missbrauchsvorwürfen auf
Julian LangRücktritt von Annette Kurschus: EKD-Chefin gibt nach Missbrauchsvorwürfen auf
Annette Kurschus ist als Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und als leitende Bischof der Evangelischen Kirche von Westfalen zurückgetreten. Der Rücktritt erfolgt nach anhaltenden Diskussionen über ihren Umgang mit früheren Vorwürfen innerhalb der Kirche. Unterdessen hat die Evangelische Kirchengemeinde Solingen ihre Maßnahmen zur Bekämpfung sexualisierter Gewalt mit einem langjährigen Schutzkonzept weiter gestärkt.
Die Evangelische Kirchengemeinde Solingen führte bereits 2018 ihr Schutzkonzept gegen Verletzungen der sexuellen Selbstbestimmung und sexualisierte Gewalt ein. Dieses Rahmenwerk verpflichtet alle hauptamtlichen Mitarbeiter:innen, Ehrenamtlichen und Verantwortungsträger:innen zur Teilnahme an verpflichtenden Schulungen. Zudem legt es klare Meldewege für Verdachtsfälle fest und verpflichtet die Kirche, bei Verdacht auf strafbare Handlungen die Strafverfolgungsbehörden einzuschalten.
Die Unterstützung von Betroffenen bleibt weiterhin Priorität. Betroffene können sich an Vertrauenspersonen innerhalb der Kirche wenden oder sich an FABS richten, eine unabhängige Organisation, die sich auf die Hilfe für Überlebende sexualisierter Gewalt an Kindern und Jugendlichen spezialisiert hat. Die Kontaktdaten dieser Angebote sind auf der Website der Klingenkirche aufgelistet.
Thomas Förster, stellvertretender Superintendent des Kirchenkreises Solingen und Synodalassessor, erklärte, Kurschus’ Rücktritt werde helfen, den Fokus wieder auf die Betreuung der Opfer und die Präventionsarbeit zu lenken. Er betonte, wie wichtig es sei, die Glaubwürdigkeit der Kirche in Bildungs- und Schutzfragen zu wahren.
Kurschus hatte zuvor bestritten, von schweren Vorwürfen gegen einen Kirchenmitarbeiter in den späten 1990er-Jahren gewusst zu haben. Ihr Rückzug erfolgt in einer Phase, in der institutionelle Reaktionen auf historische Missbrauchsfälle insgesamt kritisch hinterfragt werden.
Das Schutzkonzept der Solinger Kirchengemeinde bleibt weiterhin in Kraft, Schulungen und Meldeverfahren laufen weiter. Betroffene haben weiterhin Zugang zu kirchlichen und unabhängigen Beratungsangeboten. Der Fokus liegt nun darauf, die Schutzmaßnahmen konsequent umzusetzen und die Bedürfnisse der Betroffenen in den Mittelpunkt zu stellen.






