NRW führt Pflicht-ABC-Kurse ein – doch Schulen warnen vor Platz- und Personalnot

Lina Koch
Lina Koch
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Eine Gruppe von Menschen, einige mit Taschen, geht vor einem großen weißen Gebäude mit Fenstern und Türen, umgeben von Bäumen unter einem klaren blauen Himmel.Lina Koch

NRW führt Pflicht-ABC-Kurse ein – doch Schulen warnen vor Platz- und Personalnot

Nordrhein-Westfalen führt verpflichtende 'ABC-Kurse' für Kinder mit unzureichenden Deutschkenntnissen ein

Nordrhein-Westfalen führt vor der Einschulung verpflichtende 'ABC-Kurse' für Kinder ein, die nicht über ausreichende Deutschkenntnisse verfügen. Der Schritt folgt auf die Besorgnis, dass im vergangenen Jahr rund 28.000 Kinder im Land frühzeitige Sprachförderung benötigten. Doch Schulen und Kommunen warnen, dass Platz-, Personal- und Finanzierungsengpässe den Plan noch vor seinem Start zum Scheitern bringen könnten.

Bildungsministerin Dorothee Feller hat versichert, dass kein Kind im Land ohne grundlegende Deutschkenntnisse die Schule beginnen werde. Nach der neuen Regelung müssen Kinder, die bei frühen Sprachstandstests durchfallen, vorbereitende ABC-Kurse besuchen. Kritiker hingegen argumentieren, dass die Maßnahme den Druck auf ohnehin schon überlastete Grundschulen weiter erhöht.

Raumnot und logistische Hürden Grundschulen in Städten wie Solingen sind bereits voll ausgelastet – Lernräume und Gruppenräume sind Mangelware. Teilweise findet die Nachmittagsbetreuung sogar in provisorischen Containern statt. Angesichts des Platzmangels ist unklar, wo die neuen Kurse stattfinden sollen.

Doch nicht nur der Raummangel stellt ein Problem dar. Jens Merten, Vorsitzender der Lehrergewerkschaft VBE in Solingen, bezeichnete die Pläne, Kinder mehrmals pro Woche von Kitas zu Schulen zu transportieren, als 'realitätsfremd'. Zudem fehlt es an qualifiziertem Personal: Sozialpädagog:innen sind bereits überlastet, und Fachkräfte warnend davor, dass zusätzliche Vorkurse sie an ihre Grenzen bringen und die Bildungsqualität leiden könnte.

Finanzielle Belastung für Kommunen Auch die Kommunen zeigen sich besorgt über die Kosten. Das Land hat keine zusätzlichen Mittel für Bauvorhaben, Planung oder Personal bereitgestellt – die Ausgaben müssen die Städte und Gemeinden selbst tragen. Eine verpflichtende Teilnahme ohne ausreichende Ressourcen könnte die Verwaltungen weiter überlasten.

Bis das Land ausreichend Räume und qualifiziertes Personal bereitstellt, bleiben die ABC-Kurse vorerst nur ein Plan auf dem Papier. Schulen befürchten, dass die Maßnahme bestehende Engpässe verschärft und zu Frustration bei Lehrkräften sowie einer sinkenden Betreuungsqualität für die Kinder führt. Ohne zusätzliche Finanzierung und Ressourcen könnte das Vorhaben seine Ziele kaum erreichen.