Münster: Mieter zahlen nach Wärmepumpen-Einbau bis zu 806 Euro mehr pro Jahr
Lina KochMünster: Mieter zahlen nach Wärmepumpen-Einbau bis zu 806 Euro mehr pro Jahr
Mieter in Münster müssen nach Einbau von Wärmepumpen mit stark gestiegenen Heizkosten rechnen
Nach den Plänen ihres Vermieters, Wärmepumpen in einem Wohnkomplex in Münster zu installieren, sehen sich Mieter mit deutlich höheren Heizkosten konfrontiert. Das neue Modell basiert auf einem Contracting-Vertrag, der eine feste monatliche Gebühr vorsieht – noch bevor überhaupt geheizt wird. Eine Mieterin, Ines Rodriguez, muss künftig 2.486 Euro im Jahr zahlen, 806 Euro mehr als für ihre bisherige Gasheizung.
Die Wohnungsbaugesellschaft LEG führte das System mit einer pauschalen Monatsgebühr von 140 Euro ein, unabhängig vom tatsächlichen Verbrauch. Dadurch steigen die Gesamtkosten auf 1,80 Euro pro Quadratmeter – weit über der im Gebäudeenergiegesetz (GEG) festgelegten Obergrenze von 0,50 Euro. Normalerweise erlaubt das GEG Vermietern, Modernisierungskosten auf die Mieter umzulegen – allerdings nicht bei Contracting-Verträgen.
LEG umgeht zudem eine Ausschreibung, indem es eigene Tochterfirmen mit der Wärmepumpen-Installation beauftragt. Diese Konstruktion ermöglicht es Vermietern, von der Umstellung zu profitieren – ein Vorgehen, das Mietervertreter scharf kritisieren. Maximilian Fuhrmann vom Mieterverein Nordrhein-Westfalen bezeichnete das individuelle Contracting als "problematisch", da es die Kosten direkt auf die Mieter abwälzt.
Der Bundesverband Wärmepumpe (BWP) verteidigt Contracting als gültiges Modell – vorausgesetzt, die Kosten bleiben angemessen und transparent. Nach einem Bericht des NDR, der die Praxis thematisierte, setzte LEG die Modernisierungspläne in Münster jedoch vorerst aus.
Der Wechsel von Gas-Etagenheizungen zu dezentralen Wärmepumpen wird in Mietwohnungen immer häufiger. Doch wenn Vermieter auf Einzelverträge setzen, könnten die Mieter weitere Preissprünge erleben. Der Fall Münster zeigt, wie Wärmepumpen-Nachrüstungen zu unerwarteten Belastungen für Mieter führen können. Da LEG seine Pläne nun vorerst stoppte, warten die Betroffenen auf Klarheit über die künftigen Heizkosten. Das Ergebnis könnte auch beeinflussen, wie andere Vermieter ähnliche Modernisierungsvorhaben angehen.






