Martin La Roche verwandelt Wiesbaden in einen begehbaren Gedächtnispalast

Julian Lang
Julian Lang
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Ein Museumsplakette mit Text und Skulpturen darauf.Julian Lang

Martin La Roche verwandelt Wiesbaden in einen begehbaren Gedächtnispalast

Vom 28. März bis zum 15. Juni 2025 verwandelt sich der Nassauische Kunstverein Wiesbaden in ein begehbares, riesiges Gedächtnispalast. Der Künstler Martin La Roche hat den gesamten Ausstellungsraum in eine interaktive Schau mit dem Titel Memory Palace (Gedächtnispalast) verwandelt. Verteilt über zwei Stockwerke und neun Räume lädt die Ausstellung Besucher:innen ein, auf unerwartete Weise zu erkunden, wie Erinnerungen gesammelt, bewahrt und geteilt werden.

Die Schau macht das gesamte Gebäude zu einem lebendigen Archiv. Jeder der neun Räume bietet eine andere Möglichkeit, sich mit Erinnerung auseinanderzusetzen – von persönlichen Reflexionen bis zu kollektiven Erfahrungen. In einem Raum ist ein Kreuzworträtsel zu sehen, das La Roche einst aus einem Müllcontainer rettete; seine Hinweise prägen heute seine Bücher, Installationen und künstlerischen Assoziationen.

Im Wintergarten liegen 192 Objekte in nummerierten Boxen. Besucher:innen können Gegenstände auswählen, die sie ansprechen, und ihre Wahl auf Postkarten dokumentieren – so werden sie zu temporären Kurator:innen. Ein weiterer Raum, das Spielzimmer, beherbergt Sandplay, wo Gäste bedeutungsvolle Objekte in Sand arrangieren und so eine sich ständig wandelnde Skulptur formen, geprägt von persönlichen Bezügen. Zu den Highlights zählt das Musée Légitime, ein tragbares Museum, das in einen Hut passt. Erstmals werden alle 18 Hüte mit ihren 193 Miniaturwerken gemeinsam ausgestellt. La Roches Ansatz geht über das bloße Sammeln hinaus – er versammelt Bedeutungen und ordnet sie intuitiv zu einem System des Erinnerns, das sich zugleich persönlich und geteilt anfühlt.

Die Ausstellung ist dienstags bis freitags von 14 bis 18 Uhr sowie am Wochenende von 11 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt erfolgt über den NKV, Wilhelmstraße 15, 65183 Wiesbaden.

Memory Palace ist mehr als eine Ausstellung – es ist ein Experiment darüber, wie wir mit der Vergangenheit interagieren. Indem Besucher:innen durch die Räume schreiten, werden sie Teil eines sich wandelnden Archivs und gestalten Erinnerungen gemeinsam mit dem Künstler neu. Die Schau bleibt bis zum 15. Juni 2025 geöffnet und bietet die seltene Gelegenheit, in einen lebendigen, sich entwickelnden Geist einzutauchen.