Kölner Stadtarchiv: 15 Jahre nach dem Einsturz bleibt die Wunde offen
Johanna KrügerKölner Stadtarchiv: 15 Jahre nach dem Einsturz bleibt die Wunde offen
Fünfzehn Jahre nach dem Einsturz des Kölner Stadtarchivs in eine U-Bahn-Baustrelle bleibt die Stelle eine Narbe in der Stadt. Die Katastrophe von 2009 vernichtete 1,7 Millionen historische Dokumente und forderte zwei Menschenleben. Doch während nun Pläne für die Neugestaltung des Geländes konkret werden, wirft der Ort weiterhin ungelöste Fragen auf – und die Spuren der Zerstörung sind bis heute spürbar.
Am 3. März 2009 brach der Boden unter dem Archiv weg. Auslöser war eine schlecht koordinierte U-Bahn-Bauarbeit der Kölner Verkehrsbetriebe (KVB), die über keine Erfahrung mit derartigen Projekten verfügte. Noch vor dem Einsturz waren kritische Stahlträger gestohlen und an einen Schrotthändler verkauft worden – die Statik des Gebäudes war damit fatale geschwächt. Der entstehende Krater verschlang Jahrhunderte Kölner Geschichte, während benachbarte Kirchen Risse bekamen und ein Turm dauerhaft schief blieb.
Monatelang durchsuchten Rettungskräfte tonnenweise zerrissenes Papier, verteilten die Fragmente an 20 Notarchive. Zwei junge Männer, die in angrenzenden Häusern lebten, starben, als sich unter ihnen die wassergefüllte Grube öffnete. Juristische Verfahren zogen sich jahrelang hin, endeten mit gemischten Urteilen – einige Verurteilungen, einige Freisprüche –, bis die Anklagen 2024 schließlich fallen gelassen wurden.
Doch der Ort selbst harte seit Jahren im Stillstand. Erst 2023 wurde eine teilweise Betonverfüllung abgeschlossen, doch das Gelände wirkt bis heute wie eine unvollendete Baustelle. Die Aktivistengruppe ArchivKomplex kämpft seitdem um Mitsprache bei der Neugestaltung und fordert ein würdevolles Mahnmal für die verlorenen Archive. Nun soll der provisorische Beton entfernt werden, um den Bau der Nord-Süd-Stadtbahn fortzusetzen – eine Maßnahme, die die Fahrzeit um acht Minuten verkürzen soll.
Die Folgen des Einsturzes sind bis heute sichtbar: in rissigen Gebäuden, verlorenen Akten und offenen Fragen. Mit dem Ende der Rechtsstreitigkeiten und der Wiederaufnahme der Bauarbeiten steht die Stadt nun vor der Entscheidung, wie sie der Vergangenheit gerecht werden kann. Die Effizienzgewinne der neuen U-Bahn werden kommen – doch die menschlichen und historischen Kosten bleiben.






