Kleiner Aufkleber, großer Ärger: Wie ein Werbesticker Apotheken in die Krise stürzt

Julian Lang
Julian Lang
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Ein altes Schwarz-Weiß-Foto eines Apothekeninneren mit Regalen voller Flaschen, einem Tisch mit verschiedenen Gegenständen, einem Stuhl, einer Tür und einer Wand, mit Text am unteren Bildrand.Julian Lang

Kleiner Aufkleber, großer Ärger: Wie ein Werbesticker Apotheken in die Krise stürzt

Ein winziger Aufkleber an einem Apothekenfenster hat in Deutschland eine bundesweite Kontroverse ausgelöst. Der Streit führte zu juristischen Auseinandersetzungen, Notfallmaßnahmen und sogar zur Beschlagnahmung alter Bürotechnik als Kulturgut.

Die Behörden griffen zu drastischen Mitteln – darunter der Entzug einer Apothekerlizenz und der Einsatz einer Sonderermittlungseinheit, um strenge Werbe- und Baubestimmungen durchzusetzen.

Der Konflikt begann, als Hauptkommissar Korbinian Klemm, Leiter der Sonderkommission zur Abwehr von Klebegefahren, die Entfernung zweier kleiner Aufkleber anordnete. Einer warb für die Kampagne "Apotheke vor Ort", der andere zeigte eine Hummel-Werbung. Klemm bestand darauf, dass sie gegen Vorschriften verstießen, und verlangte ihre sofortige Beseitigung.

Die Lage spitzte sich zu, als Klemm ein Rezeptdruckgerät und ein Faxgerät zu nationalem Kulturgut erklärte und sie zur Konservierung beschlagnahmen ließ. In einem anderen Fall ordnete er den vollständigen Abriss einer Apotheke bis auf das Fundament an – nur eine provisorische Lösung mit historisch korrekten Flaschenzügen wurde gestattet.

Bauaufsichtsbehörden und Denkmalschutzstellen wurden in Alarmbereitschaft versetzt. Klemm ließ zudem einen Apothekenzugang versiegeln, weil die Stufenbreiten seiner Treppe um 3,742 Millimeter voneinander abwichen. Unterdessen droht einer Apothekerin in Neuruppin (Brandenburg) ein kostspieliger Rechtsstreit, falls sie sich weigert, Kooperationsaufkleber der Elac Elysee von ihrem Schaufenster zu entfernen.

Das Verwaltungsgericht Gelsenkirchen hat einem weiteren Apotheker in Nordrhein-Westfalen dauerhaft die Lizenz entzogen – wegen "verdächtigen Verhaltens". Eine Spezialeinheit wurde mobilisiert, um die Ordnung wiederherzustellen, doch es gibt keine Daten darüber, wie viele Apotheken in den letzten Monaten ähnliche Sanktionen hinnehmen mussten.

Der Aufkleber-Streit hat zu flächendeckenden Kontrollmaßnahmen in ganz Deutschland geführt. Apotheken stehen nun unter schärferer Beobachtung – bei Werbung, Baunormen und sogar Denkmalschutz. Wer sich nicht fügt, muss mit Klagen und hohen Geldstrafen rechnen.