Humboldt Forum: Pracht ohne Nähe – warum Berlins Kulturpalast polarisiert
Luisa KleinHumboldt Forum: Pracht ohne Nähe – warum Berlins Kulturpalast polarisiert
Das Humboldt Forum bleibt eine markante, aber umstrittene Erscheinung in Berlins Kulturszene. Seine imposante Architektur und das ehrgeizige Programm ziehen weiterhin Aufmerksamkeit auf sich, doch die Herausforderungen bleiben: die Anbindung an die lokale Bevölkerung und die klare Positionierung in der Stadt.
Im vergangenen Jahr verzeichnete das Forum rund 634.000 Ausstellungsbesucher – eine bescheidene Zahl im Vergleich zu den etwa 13 Millionen des Louvre. In die offizielle Statistik fließen sogar jene ein, die nur für ein Selfie im Innenhof vorbeischauen. Unter der kreuzgekrönten Kuppel haben das Ethnologische Museum und das Museum für Asiatische Kunst nun ihre Heimat gefunden.
Das kulturelle Programm des Forums glänzt oft mit herausragenden Aufführungen wie Sarah Ama Duahs to build to bury to remember. Ihr Werk präsentiert Objekte als autonome Körper und widersteht so dem kolonialen Blick. Doch die gewaltigen, unpersönlichen Räumlichkeiten können selbst die brillantesten Veranstaltungen in den Hintergrund drängen.
Kritiker bemängeln, das Forum wirke eher wie ein Palast als ein einladender urbaner Ort. Trotz seiner Dimensionen, die an ein großes Theater erinnern, fehlen Besuchern in der Nähe Möglichkeiten, nach Veranstaltungen zu verweilen. Die Debatten über Raubkunst, Restitution und koloniale Gewalt gewannen nach der Eröffnung an Fahrt, doch der Institution gelingt es noch immer nicht, tiefgreifende Verbindungen zur lokalen Bevölkerung aufzubauen.
Die Mischung aus Pracht und Anspruch des Humboldt Forums hat bisher keine breite lokale Anziehungskraft entfaltet. Seine Programme und Ausstellungen wecken zwar Interesse, doch der Ort selbst wirkt oft distanziert. Die kommenden Jahre werden zeigen, ob es diese Kluft überwinden kann.
