Dortmunder Bündnis kämpft für Bleiberecht der Dramé-Brüder nach Polizeitod

Lina Koch
Lina Koch
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Eine Gruppe von Polizisten in schwarzen Uniformen und Masken steht vor einem Gebäude mit Glasfenstern und Säulen in Berlin, Deutschland, einige halten Helme, mit Laternenmasten, Verkehrsampeln, Texttafeln, einer Statue, anderen Menschen und grasbewachsenem Boden im Hintergrund.Lina Koch

Dortmunder Bündnis kämpft für Bleiberecht der Dramé-Brüder nach Polizeitod

In Dortmund setzt sich ein Bündnis aus zivilgesellschaftlichen Gruppen für langfristige Aufenthaltsrechte für Sidy und Lassana Dramé ein, die Brüder des 2022 bei einem Polizeieinsatz getöteten Mouhamed Dramé. Die beiden sind seit dem Tod ihres Bruders in der Stadt geblieben, um die juristische Aufarbeitung zu begleiten. Doch ihre aktuellen Aufenthaltstitel sind inzwischen abgelaufen – ihre Zukunft bleibt ungewiss.

Die Kampagne erhält Rückhalt von lokalen Politikern, darunter dem Bezirksbürgermeister und dem Stadtkämmerer, die sich für eine Verlängerung des Aufenthalts und die Erteilung von Arbeitserlaubnissen aussprechen. Beide Brüder engagieren sich ehrenamtlich in Dortmund, dürfen aber ohne legale Arbeitsgenehmigung kein Einkommen erzielen.

Sidy Dramé (39) und Lassana Dramé (26) kamen vor zwei Jahren nach Dortmund, nachdem ihr 16-jähriger Bruder Mouhamed im August 2022 bei einem Polizeieinsatz in der Nordstadt tödlich verletzt worden war. Fünf beteiligte Beamte wurden später freigesprochen; das Gericht begründete dies mit der Notwendigkeit, Selbstgefährdung zu verhindern. Kritiker monierten jedoch Versäumnisse bei der Deeskalation, darunter den Einsatz von Pfefferspray gegen den psychisch labilen Jugendlichen, der nur Französisch und Wolof sprach.

Seitdem leben die Brüder in der Stadt, um das laufende Verfahren zu unterstützen. Sidy, ein ausgebildeter Schneider, leitet ehrenamtlich eine wöchentliche Nähwerkstatt. Lassana arbeitet als Assistent eines lokalen Künstlers. Beide dürfen aufgrund ihrer abgelaufenen Papiere keine bezahlte Beschäftigung aufnehmen.

In einem offenen Brief, unterzeichnet von einem breiten Bündnis – darunter die Nordstädter Bezirksbürgermeisterin Hannah Rosenbaum –, wird "langfristige Sicherheit" für die Brüder gefordert. Der Appell verlangt sowohl eine Verlängerung der Aufenthaltserlaubnis als auch die Möglichkeit, selbstständig arbeiten zu dürfen. Die Migrationsanwältin Claire Deery argumentiert, die Papiere müssten solange verlängert werden, bis über die Revision entschieden sei, damit sie ihren Lebensunterhalt bestreiten können.

Die Stadt hat den Fall als "außergewöhnlich" anerkannt und prüft, ob Arbeitserlaubnisse erteilt werden können. Der Dortmunder Stadtkämmerer Jörg Stüdemann unterstützt öffentlich die Verlängerung. Nun muss das Ausländeramt in einer anstehenden Anhörung alle Argumente abwägen, um über den Verbleib der Brüder in Deutschland zu entscheiden.

Das juristische Nachspiel um Mouhamed Dramés Tod zieht sich weiter hin; Anfang 2026 lagen noch keine neuen Details zu einer möglichen Revision vor dem Bundesgerichtshof vor.

Die Entscheidung über den Antrag der Brüder wird darüber bestimmen, ob sie langfristig in Dortmund bleiben dürfen. Bei einer Bewilligung der Arbeitserlaubnisse könnten sie nach zwei Jahren ehrenamtlicher Tätigkeit endlich ihren Lebensunterhalt selbst verdienen. Der Fall könnte zudem Präzedenzcharakter für die Behandlung ähnlicher Fälle in Zukunft haben.