Deutschlands Tischtennis-Team startet ohne Boll in eine neue Ära bei der EM
Luisa KleinDeutschlands Tischtennis-Team startet ohne Boll in eine neue Ära bei der EM
Deutschlands Tischtennis-Team bereitet sich auf erstes großes Turnier nach Timo Bolls Rücktritt vor
Die Europameisterschaft in Zadar, Kroatien, beginnt an diesem Sonntag – das erste große Turnier für die deutsche Mannschaft seit dem Abschied der Legende Timo Boll. Mit neun EM-Titeln und sechs WM-Finals in den letzten zwei Jahrzehnten setzt die Mannschaft nun auf eine neue Generation, um an diese Erfolge anzuknüpfen.
Besonders die Frauenmannschaft, angeführt von Junioren-Weltmeisterin Annett Kaufmann, könnte ihre männlichen Kollegen sogar in den Schatten stellen. Ein Kontrast, der sich auch im Fußball zeigt: Die deutsche Frauen-Nationalmannschaft setzt seit Jahren Maßstäbe mit acht EM-Titeln und zwei WM-Siegen – ein deutlicher Unterschied zu den jüngeren Leistungen der Männerteams in verschiedenen Sportarten.
Erfahrung trifft auf Veränderung Die Herren gehen mit einem starken, aber alternden Kern in die Meisterschaft. Benedikt Duda (31), Dang Qiu (28) und Patrick Franziska (33) belegen aktuell die Plätze 8, 14 und 15 der Weltrangliste. Ihre Erfahrung wird in Zadar entscheidend sein – besonders nach dem Abschied von Timo Boll, der über Jahre dominierte und zuletzt 2021 eine WM-Medaille gewann.
Cheftrainer Jörg Roßkopf hat ein klares Ziel: Deutschland soll wieder Europas führende Nation werden. Seine Kollegin auf der Frauenseite, die in Kroatien geborene Tamara Boros, bringt eigene Expertise mit. Sie bleibt die letzte Europäerin, die 2003 eine Einzel-WM-Medaille gewann.
Eine besondere Geschichte schreibt Sabine Winter, aktuell Deutschlands Nummer eins. Mit 32 Jahren revolutionierte sie ihr Spiel, wechselte die Belagart und passte ihren Stil an. Diese Anpassungsfähigkeit könnte in einem Turnier, in dem Konstanz zählt, den Unterschied machen.
Olympische Reformen erhöhen den Druck Abseits des Tisches steht der olympische Tischtennis-Sport vor Veränderungen: Das Internationale Olympische Komitee (IOC) plant, die getrennten Mannschaftswettbewerbe der Männer und Frauen durch ein gemischtes Teamformat zu ersetzen. Diese Umstellung erhöht den Druck, jetzt zu performen – denn die Chancen für klassische Teamwettkämpfe könnten künftig schrumpfen.
Frauenfußball als Vorbild Während die Tischtennis-Damen noch um Titel kämpfen, zeigt die deutsche Frauen-Fußballnationalmannschaft, wie Dominanz aussieht: Acht EM-Titel (zuletzt 2013) und zwei WM-Siege sprechen für sich. Aktuelle Qualifikationserfolge – 5:0 gegen Slowenien und 4:0 gegen Norwegen – unterstreichen die Stärke vor der WM 2027. Junge Talente wie Rebecca Knaak, Giulia Gwinn und Camilla Küver führen diese Tradition fort, während die Männer-Nationalmannschaft in jüngsten Turnieren früh scheiterte.
Zadar als Bewährungsprobe Die EM in Zadar markiert einen Wendepunkt für den deutschen Tischtennis-Sport. Ohne Boll muss sich das Team auf seine aktuellen Topspieler und taktische Anpassungen verlassen. Erfolg könnte die Rückkehr an die europäische Spitze besiegeln.
Für die Frauen bietet das Turnier die Chance, Annett Kaufmanns Juniorenerfolge auszubauen. Gleichzeitig verleiht die olympische Reform dem Wettbewerb für beide Mannschaften zusätzliches Gewicht.






