Corny Littmann: 50 Jahre Provokation und Pioniergeist auf Hamburger Bühnen

Johanna Krüger
Johanna Krüger
2 Min.
Eine Tagungsstätte mit Sitzenden, die einer Bühne zugewandt sind, auf der eine Diskussion zwischen Medienvertretern und Eigentümern stattfindet, mit einem großen Werbeplakat und einer Wand im Hintergrund.Johanna Krüger

Theaterdirektor Corny Littmann feiert 50 Jahre auf der Bühne - Corny Littmann: 50 Jahre Provokation und Pioniergeist auf Hamburger Bühnen

Corny Littmann – 50 Jahre Bühne: Ein Leben zwischen Provokation und Pioniergeist

Corny Littmann, Theaterregisseur, Schauspieler und langjähriger Kämpfer für LGBTQ+-Rechte, feiert am 13. Januar sein 50-jähriges Bühnenjubiläum. Seine Karriere begann in Hamburg, wo er einige der einflussreichsten queeren Theatergruppen Deutschlands mitbegründete. Über fünf Jahrzehnte prägte er mit scharfer Satire, politischem Mut und dem Bruch sozialer Normen die Kulturlandschaft der Stadt.

1952 in Münster geboren, zog Littmann mit 15 nach Hamburg. 1976 gründete er gemeinsam mit Hans-Georg Berger das Kiez-Kabarett Familie Schmidt – eine linksalternative, antiautoritäre Truppe, die bürgerliche Moral und Homophobie auf die Schippe nahm. Ihr Debüt im Kulturzentrum Die Fabrik setzte den Ton für Jahrzehnte provokanter Auftritte.

1982 ging Littmann mit Gunter Schmidt auf Tournee mit Deutsch, aufrecht, homosexuell – einem Programm, das Vorurteile offen konfrontierte. Zwei Jahre zuvor hatte er bereits Brühwarm mitgegründet, Deutschlands erste offen schwule Theatergruppe. Ihre Arbeit verband Satire mit Aktivismus und sprengte Grenzen in einer noch konservativen Gesellschaft. Die Eröffnung des Schmidt Theaters 1988 festigte seinen Ruf. Die Revue Sag „Bitte“ und ich singe wurde nach einer Ausstrahlung im NDR zum landesweiten Erfolg. Es folgten Schmidts Tivoli (1991) und Schmidtchen (2015) – Spielstätten, die Musicals, Schlager-Revuen und Langzeitproduktionen vereinten. Littmann führte oft Regie und stand selbst auf der Bühne, mit Vorliebe für „gebrochene Charaktere“ wie grantige Alte oder strenge Kapitäne.

Jenseits des Theaters prägte er als Präsident des FC St. Pauli (2003–2010) den rebellischen Geist Hamburgs mit. Zeit seines Lebens setzte er sich unermüdlich für LGBTQ+-Rechte ein und nutzte seine Stimme gegen Diskriminierung.

Littmanns einhalb Jahrhundert auf der Bühne steht für ein Leben gegen Konventionen. Vom Underground-Kabarett zum Mainstream-Erfolg – sein Werk gab queeren Geschichten Sichtbarkeit und unterhielt zugleich ein breites Publikum. Das Jubiläum ehrt nicht nur einen Künstler, sondern eine Kulturgestalt, die Hamburgs künstlerisches Antlitz neu geformt hat.