Bielefelder Apotheker kämpfen um Überleben: Reformen bedrohen lokale Versorgung
Bielefelder Apotheker kämpfen um Überleben: Reformen bedrohen lokale Versorgung
Bielefelder Apotheker schlagen Alarm: Wirtschaftlicher Druck und Reformpläne gefährden Patientenversorgung
Apotheker in Bielefeld haben dringend vor den wachsenden wirtschaftlichen Belastungen und geplanten Reformen gewarnt, die die Patientenversorgung schwächen könnten. Hauke Stange, Inhaber der Adler-Apotheke und Vorsitzender der Bielefelder Bezirksgruppe im Apothekerverband Westfalen-Lippe (AVWL), traf sich mit Oberbürgermeisterin Dr. Christiana Bauer, um die Herausforderungen der Branche zu erläutern. Im Mittelpunkt standen Bedrohungen durch Online-Konkurrenz, stagnierende Vergütungen und Personalmangel, die das deutsche Apothekennetzwerk aus den Angeln heben könnten.
Allein im Bielefelder Stadtteil Schildesche ist die Zahl der Apotheken seit 2012 drastisch gesunken – von einst vier auf heute nur noch eine. Dieser Rückgang spiegelt übergeordnete Probleme wider, darunter den unfairen Wettbewerb durch Versandapotheken, die keine umfassende pharmazeutische Betreuung bieten. Zwar schloss 2023 bundesweit keine Apotheke wegen finanzieller Schwierigkeiten – im Gegenteil: Es gab einen Nettozuwachs von 125 Standorten –, doch warnen lokale Betreiber, dass steigende Kosten und eingefrorene Vergütungen das langfristige Überleben gefährden.
Die Apotheker fordern höhere Vergütungen, da die staatlich festgelegten Gebühren seit 20 Jahren kaum gestiegen sind – trotz explodierender Personal- und Betriebskosten. Der Entwurf der Koalitionsregierung für eine Reform sieht jedoch unbestimmte Verschiebungen bei Gebührenerhöhungen vor und verzichtet auf den Schutz der Festpreisregelung für Medikamente, ein System, das die Gesundheitskosten für Verbraucher stabil hält. Ohne rechtliche Absicherung könnten ausländische Versandapotheken lokale Apotheken weiter unterbieten.
Oberbürgermeisterin Bauer, Juristin mit Expertise im Arzneimittelvertrieb, sicherte den Apothekern ihre Unterstützung zu. Sie kündigte an, sich auf Bundes- und Landesebene über den Deutschen Städtetag für die Belange der Branche einzusetzen und dem Fachkräftemangel in Bielefeld entgegenzuwirken. Zudem unterstützte sie Forderungen nach einer Wiedereinführung des Verbots von Versandapotheken, falls diese nicht dieselben Leistungen wie vor Ort erbringen können.
Kritik löst auch der Plan aus, die Pflicht zur persönlichen Anwesenheit von Apothekern abzuschaffen – ein Schritt, der nach Ansicht von Experten die Patientensicherheit und Versorgungsqualität mindern könnte.
Das Treffen zwischen Apothekern und Oberbürgermeisterin Bauer markiert den Auftakt für eine breitere Interessenvertretung in den Bereichen Gebührenschutz, Personalausstattung und fairer Wettbewerb. Sollten die Reformen ohne stärkere Schutzmechanismen verabschiedet werden, drohen weitere Apotheken-Schließungen, während Patienten den Zugang zu essenzieller Vor-Ort-Versorgung verlieren könnten. Die nächsten Schritte der Stadt werden entscheiden, ob Bielefelds Apothekennetzwerk angesichts wachsender wirtschaftlicher und regulatorischer Herausforderungen stabil bleiben kann.
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